Callcenter - Höhere Produktivität durch Pflanzen

Vor einigen Jahren schwappte die Welle des Callcenter-Trends von den USA nach Deutschland herüber. Seitdem hat man auch hierzulande Erfahrungen im Aufbau und in der Gestaltung von Callcentern gewonnen. Pflanzen gehören auf jeden Fall dazu.

Für die Planer des neuen Callcenters der Sutter-Verlagsgruppe, Anke Adolf und Stefan Fillibeck, ist die Begrünung der Arbeits- und Aufenthaltsräume von Anfang an ein fester Bestandteil des Gesamtkonzeptes gewesen. Beide verfügen über langjährige Erfahrungen im Aufbau und in der Organisation von Callcentern und wissen, dass Pflanzen positive Wirkungen auf Menschen ausüben. Seit rund vier Jahren arbeiten sie als Team mit klarer Aufgabenteilung. Die Psychologin Anke Adolf ist für die menschlichen Aspekte zuständig, während der Wirtschaftsinformatiker Stefan Fillibeck die Verantwortung für die technischen Abläufe trägt. Trotz ihrer unterschiedlichen Aufgabenstellungen ist die Begrünung des Arbeitsbereiches für beide äußerst wichtig. Die Beweggründe dafür sind jedoch verschieden.

Für die Psychologin steht die Motivation der Mitarbeiter im Vordergrund. Ein wichtiger Motivationsfaktor ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Die Arbeit in einem Callcenter erfordert neben den einschlägigen Qualifikationen, wie z. B. einer kaufmännischen Ausbildung und einem IHK-Abschluss, auch sehr viel Flexibilität und Einfühlungsvermögen von den Mitarbeitern. Ruhe bewahren und freundlich bleiben ist oberstes Gebot - ganz egal wie ungeduldig oder unfreundlich der Anrufer auch sein mag. Verständlicherweise schafft das einen hohen Stressfaktor. Die erfahrene Trainerin und Leiterin des Callcenters kennt die Maßnahmen, mit denen sie den Stress reduzieren kann.

Stressabbau durch Pflanzen

Bereits der äußere Eindruck des Callcenters der Dialog Gesellschaft für Direktmarketing mbH in Essen zeigt, dass alles unternommen wurde, um den Mitarbeitern den Arbeitsaufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Rund 1,8 Mio. DM wurden von der Muttergesellschaft, der Sutter-Verlagsgruppe, in die Ausstattung der 30 Arbeitsplätze investiert. Die nach Entwürfen des Planungsteams angefertigten Büromöbel, die farbliche Gestaltung der Räume, die Bilder an den Wänden und natürlich die vielen Pflanzen bilden eine harmonische Einheit und schaffen eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre. Aus ihrer Berufspraxis kennt Frau Adolf aber auch die Schattenseite der Callcenter-Tätigkeit: Das Arbeiten in sterilen und unbegrünten Räumen. Ihre persönliche Berufserfahrung deckt sich daher mit den Ergebnissen, zu denen beispielsweise John Klein Hesselink mit seiner Untersuchung am niederländischen Institut für Arbeitsschutz im Jahre 1995 gelangt ist: Durch Pflanzen am Arbeitsplatz fühlen sich die Mitarbeiter weniger belastet. Sie empfinden Geborgenheit und verspüren dadurch gesteigerte Arbeitsfreunde.

Das Essener Callcenter hat erst im April 1999 seinen Betrieb aufgenommen. Als in der Vorbereitungs- und Aufbauphase die Einstellungsgespräche durchgeführt wurden, mochte keiner der neuen Mitarbeiter so recht glauben, dass die Arbeitsräume wirklich einmal so üppig begrünt aussehen werden, wie sie auf den eigens angefertigten 3D-Computerskizzen dargestellt sind. Um so größer war die Überraschung - und die Begeisterung -, als sie sich dann einige Zeit später zum internen Training in den neuen Geschäftsräumen einfanden. Auf den Planungsskizzen war tatsächlich nicht übertrieben worden: Es sah aus wie in einer grünen Oase.


Optimales Klima

Obgleich das Rauchen nur im - selbstverständlich auch begrünten - Aufenthaltsraum gestattet ist, gehört die Schadstoffreduzierung zu den wichtigen Aufgaben der Pflanzen in allen Räumen. Besonders in Räumen, die mit neuen Möbeln und Teppichböden ausgestattet sind, kommt es häufig zu recht hohen Schadstoffbelastungen. Zu diesem Ergebnis gelangt auch ein Gutachten des Sachverständigen-rates für Umweltfragen aus dem Jahre 1987. Bei einer Raumgröße von 150 m² und 180 m² der beiden Callcenter ist die Luftfilterfunktion der Pflanzen gewiss ein wichtiges Argument. Für die Betreiber spricht aber noch viel mehr für die Begrünung von Arbeitsräumen.

Besonders in Räumen, in den viele Menschen gleichzeitig arbeiten, entsteht eine der Konzentration abträgliche Geräuschkulisse. In den Callcentern telefonieren bis zu 20 Mitarbeiter gleichzeitig. Jeder einzelne von ihnen muss sich auf seinen Gesprächspartner konzentrieren. Maßnahmen zur effizienten Geräuschdämmung sind daher unverzichtbar. Ohne Pflanzen hätten dafür aufwändige und teuere Baumaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Schließlich erfüllen die Pflanzen auch noch die Aufgabe des Feuchtigkeitsspenders. Der technische Leiter des Callcenters empfindet es als sehr angenehm, dass die Raumbegrünung die erforderlichen 50 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise schafft. Auf die Installation einer Klimaanlage konnte daher verzichtet werden. Für die Mitarbeiter herrscht somit ein in jeder Beziehung optimales Arbeitsklima.

Fachkundige Beratung und Pflege

Als Experten in ihren Fachbereichen wissen Anke Adolf und Stefan Fillibeck kompetente Arbeit zu schätzen. Für die Realisierung ihrer Begrünungsplanung haben sie sich daher die fachkundige Unterstützung eines auf Hydrokultur spezialisierten Betriebes geholt. Unter Berücksichtigung der von den Planern festgesetzten Anforderungen an die Begrünung hat dieser Betrieb dann die geeigneten Pflanzen ausgesucht und eine dichte Begrünung mit überwiegend großblättrigen Pflanzen aufgebaut. Aber auch Sonder-wünsche, wie zum Beispiel zum Mobiliar und Teppichboden farblich passende Pflanzenkübel, wurden erfüllt. Für die Mitarbeiter des Callcenters ist die Pflege der Pflanzen allerdings tabu. Unter den Pflanzkübeln zwischen den Operator Desks sind die technischen Anlagen der Computer Platz sparend untergebracht. Überlaufendes Gießwasser könnte verheerende Schäden anrichten und den Ausfall der gesamten Computeranlage zur Folge haben. Somit entschloss man sich, auch die Pflege mit einem Wartungsvertrag in die erfahrenen Hände des Begrünungsbetriebes zu legen. Dazu gehört auch die Bewässerung der Pflanzen mit einer speziellen Gießanlage.


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