Doppelte Wohlfahrtswirkung mit Pflanzen
Das Blatt hat sich gewendet

Pflanzen tun dem Menschen gut - diese Tatsache ist inzwischen zum Allgemeingut geworden und das wissenschaftlich begründet. Seit über zehn Jahren wird auf den unterschiedlichen Kontinenten erforscht, wie Pflanzen in Räumen die Luft reinigen und befeuchten, Schadstoffe mindern, Schall dämmen und die Belastung mit elektrostatischer Aufladung reduzieren. Menschen in begrünten Räumen sind seltener krank, empfinden weniger Stress, ihre Motivation ist erhöht, kurz: Die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Menschen steigt durch Pflanzen. Das heißt, Investitionen in Begrünung tragen dazu bei, betriebliche Kosten zu senken.

Ein aktueller Austausch über die Reduzierung gesundheitlicher Beschwerden durch Pflanzen am Arbeitsplatz sollte das vierte `Plants for People´-Symposium im Juni in Amsterdam werden. Doch es geriet zu mehr: Während einerseits über aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum Thema referiert wurde (Tove Fjeld, Norwegen, John Bergs, Niederlande, und Ronald Wood, Australien) sowie über den Stand technisch machbarer Umsetzungen solcher Fakten (Dieter Schempp, Deutschland), rückte mit den Referaten von Kathleen L. Wolf und Roger S. Ulrich (beide USA) verstärkt die betriebswirtschaftliche Facette des Themas in den Vordergrund. Beide machten deutlich, dass amerikanische Unternehmen zunehmend die intensive Begrünung ihrer Gebäude wie auch ihres Gebäudeumfeldes dazu nutzen, wirtschaftlicher zu werden.

Kosten senken auf Amerikanisch
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass eine intensive Begrünung von Innenstädten mehr Kunden zum Einkauf motiviert und selbst die Verweildauer in der City erhöht. Auch in Krankenhäusern und Therapieeinrichtungen wurde ein direkter Zusammenhang von Begrünung und Verweildauer bzw. Pflegeaufenthalt von Patienten festgestellt. Patienten lassen sich lieber in begrüntem Umfeld kurieren und sind dabei auch noch schneller wieder gesund und auch das Krankenhauspersonal arbeitet entspannter, leistungsfähiger und fühlt sich wohler. "Wenn Sie bedenken, unter welch hohem Kostendruck das amerikanische Gesundheitswesen steht, so spricht der wirtschaftliche Nutzen von Begrünungen für sich, wenn gerade Unternehmen des Gesundheitswesens bewusst in Grün investieren," so Ulrichs These. Dazu legte er Rechenbeispiele aus der Praxis vor, die Klinikerfahrungen widerspiegeln und zeigen, dass Kostenreduzierungen von bis zu sechsstelligen Dollarbeträgen pro Jahr machbar sind.

Neue Perspektiven
Mit den Erfahrungen des vierten `Plants for People´-Symposiums lässt sich zeigen, dass der Weg zur betriebswirtschaftlichen Bewertung der heute bekannten Wohlfahrtswirkungen von Pflanzen in Räumen Realität geworden ist. Darüber hinaus wurde ein weiterer wichtiger Schritt getan: Die in Innenräumen bewährte positive Wirkung von Pflanzen gilt auch für den Außenbereich, womit auch der Freiraumplanung eine neue ökonomische Dimension zuwächst. Zwei wichtige Perspektiven, damit Begrüner künftig nicht länger als Kosten verursachende Bittsteller auftreten müssen, sondern sich als Kosten reduzierende Berater empfehlen können. Diese veränderte Einstellung wird auch in Deutschland bereits vereinzelt in die Praxis umgesetzt.

Bereits bayerisch-badische Praxis
Horst Endrich, Zellingen bei Würzburg, ist Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und arbeitet als Energieberater für Wirtschaftsunternehmen. Er hat die Raumbegrünung als Energiesparfaktor entdeckt und setzt mit den so genannten `Prima Klima´-Pflanzen ingenieurtechnische Parameter in der Raum- und Energieplanung ein.

Als `Prima Klima´-Pflanzen sind spezielle Selektionen der Pflanzengattungen Cyperus (Zypergras), Musa (Zierbanane) und Sparmannia (Zimmerlinde) bekannt geworden. Sie sind besonders gute Luftbefeuchter. Die Zahlen dazu sind bekannt und werden über ein Rechenmodell, das Raumart, -ausstattung und -nutzung mit berücksichtigt, zur Erzielung bestimmter Luftfeuchtigkeitswerte eingesetzt. Die Pflanzen wirken als natürliche Klimaanlage.

Endrichs Leistung ist es, für das mittelständische Maschinenbauunternehmen König in Wertheim am Main die genannten Pflanzen energiesparend einzusetzen. "Eine konventionelle Klimaanlage," so Endrich in seiner Argumentation für die Pflanzen, "verbraucht pro Liter verdunstetem Wasser das energetische Äquivalent von 100 Millilitern Heizöl, pro Kubikmeter Wasser also 100 Liter Öl." Dass schlecht gewartete Klimaanlagen überdies zu ernsthaften Problemen führen können (z. B. Legionellen oder die `monday desease´) ist erst jüngst wieder traurige Erfahrung in England geworden. Endrich konzipierte für die Firma König eine so genannte "technische Lüftung." Dabei wird tagsüber frische Außenluft angesaugt, auf 20 Grad Celsius erwärmt, aber nicht mehr zusätzlich angefeuchtet. Diese Luft ist geruchsneutral und wird über Deckenöffnungen in die Räume geleitet. Mit dem Verfahren wird die Luftwechselzahl von 1 bis 2 auf einen Wert von etwa 0,5 reduziert. Mit der Erwärmung der Außenluft geht der Rückgang ihrer relativen Luftfeuchtigkeit einher. Und die fährt Endrich durch den berechneten Einsatz der `Prima Klima´-Pflanzen auf Werte hoch, wie sie nach Maßgabe der Berufsgenossenschaften und Gesundheitsbehörden gefordert sind.
Die Einsparungen für das Unternehmen König liegen auf der Hand: Die Aufwendungen für teures Heizöl sind merklich reduziert worden. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter über das angenehme Raumklima ist deutlich gestiegen: Endrich hat seine Anlage so konzipiert, dass die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz das persönliche klimatische Wohlbehagen beeinflussen können. Öffnet ein Mitarbeiter das Fenster, schaltet unmittelbar die Heizung zurück und fährt erst wieder hoch, wenn das Fenster geschlossen wird. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil dieses Konzeptes, denn der individuelle Klimakomfort kann über eine generelle Klimasteuerung bisheriger Bauart nicht gewährleistet sein. Die technische Lüftung, gekoppelt an dazu geeignete Pflanzen, kann hingegen genau das leisten.

Wohlfühlen als "weicher" Wirtschaftsfaktor, Investitions- und Kostenrechnung als "harte" Wirtschaftsfaktoren - das vierte `Plants for People´-Symposium und erste Praxiserfahrungen auch hierzulande zeigen einen innovativen Weg, um Wohlfahrtswirkung im doppelten Sinne zu erreichen. Die Wirkung von Pflanzen im Innen- wie im Außenbereich auf den Menschen und sein Arbeits- und Lebensumfeld dürfte vor diesem Hintergrund eine neue Bewertung erfahren. PfP

www.prima-klima-pflanzen.de

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