Auswirkungen von Begrünungen in Büros auf Wohlbefinden,
Gesundheit und Arbeitsleistung
Engelbert Kötter, Gartenbau-Marketingtechniker und Freier Fachjournalist,
Klingenberg am Main
Pflanzen
spielen in Räumen seit weit über 100 Jahren eine dekorative
Rolle. Überlegungen, dass Pflanzen über ihre ästhetische
Bereicherung hinaus auch weitergehenden Nutzen haben können, sind
demgegenüber vergleichsweise jung. Erst seit etwa 25 Jahren häufen
sich Einzeluntersuchungen darüber, welche raum-klimatischen, raumakkustischen
und psychischen Auswirkungen Pflanzen in Gebäuden zukommen.
So können Pflanzen in Gebäuden, wie man aus weltweiten wissenschaftlichen
Untersuchungen inzwischen weiß, grundsätzlich z.B.:
* Luft befeuchten,
* Schall schlucken,
* Schadstoffe abbauen,
* Sauerstoff liefern,
* CO2 reduzieren,
* Verweildauer erhöhen,
* Stäube filtern,
* Räume strukturieren,
* Umgebung aufwerten,
* Sick-Building-Syndrom reduzieren.
Staatlicher Forschungsauftrag
Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft
und Forsten hat vor diesem Hintergrund einen zweijährigen Forschungsauftrag
an die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in
Veitshöchheim bei Würzburg erteilt. Ziel dieses Projektes war
es, in der Zeit von 1/98 - 12/99 herauszufinden, ob und inwiefern die
Angaben über Wohlfahrtswirkungen von Pflanzen eine praktisch wirksam
werdende Bedeutung in Büros haben oder auch nicht. Dazu wurde an
der LWG im Sachgebiet Zierpflanzenbau unter der Leitung von Dr. Peter
Reimherr von Engelbert Kötter eine Feldstudie entworfen und in situ
unter Bedingungen gärtnerischer Raumbegrünung durchgeführt.
Interdisziplinärer Lösungssatz
In diese Studie wurden Berater der Disziplinen Arbeitsmedizin, Psychologie
und Raumbiologie mit eingebunden, um die Fragen mitbeurteilen zu können,
die über die gartenbauwissenschaftliche Fragestellung hinaus gingen.
Es handelt sich demnach um die erste Studie dieser Art, die den Versuch
unternimmt, eine umfassendere Sicht der Pflanzenbedeutung in Räumen
einer Gesamtbeurteilung unter dem Gesichtspunkt der Praxisrelevanz zuzuführen.
Über 100 Teilnehmer in Bayern
Kernpunkt der Studie war eine Datenerhebung über sehr umfangreiche
Fragebögen aus der psychologischen Praxis. Mit denen wurden die persönlichen
Meinungen der 139 Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer über den
Zeitraum etwa eines Jahres hinweg erfasst: ihre Raumwahrnehmung, etwaige
körperliche Symptome, ihr Entspannungs-Belastungs-Profil und persönliches
Befinden, ihre Einstellung zu Pflanzen. Es erfolgten eine Anfangs- und
Endbefragung, bei der die habituelle Meinung der Versuchspersonen erfasst
wurde; zwischen diesen beiden Zeitpunkten wurden 12 weitere Befragungen
durchgeführt, welche die situelle Auffassung der Personen abgriffen
- insgesamt also vierzehn Befragungen. Die situellen Befragungen erfolgten
zum Teil vor, zum anderen Teil nach einer Wunschbegrünung der 94
Büros in München und in Würzburg.
Zusätzlich zu den Fragebogentests wurden luxmetrische Messungen
der Helligkeit am Arbeitsplatz durchgeführt. Damit sollte ein Eindruck
davon gewonnen werden, inwieweit aus gärtnerischer Sicht beim Zufügen
von Begrünungen am Arbeitsplatz überhaupt auf eine taugliche
Jahreslichtkurve zurückgegriffen werden kann. Ebenso wurde in einer
Reihe der Versuchsbüros über ein Jahr hinweg mit Datenloggern
die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit in 15minütigem Abstand
erfasst. Im durchgeführten Versuch konnten Schadstoff-messungen oder
medizinische Reihenuntersuchungen nicht geleistet werden.
Veitshöchheimer Studie: die Versuchsergebnisse
Die Datenauswertung der Fragebögen erfolgte durch eine univariate
Varianzanalyse mit Meßwiederholungen im Statistikprogramm SPSS für
Windows. Die Reliabilitäten (innere Konsistenz nach Cronbach) der
eingesetzten Fragebögen wurden berechnet und überprüft.
Die Auswertungen ergaben folgendes Bild:
1. Interpretierbare Effekte der Raumbegrünung über den Versuchszeitraum
hinweg (Berücksichtigung des Begrünungszeitpunktes als Faktor)
zeigten sich eindeutig für das Verfahren, bei dem die Raumwahr-nehmung
getestet wurde. Dabei wurden die begrünten Büros von den Personen
als anziehender, natürlicher, aufgelockerter, gesundheitsfördernder,
luftfeuchter, stresslindernder, konzentrationsfördernder, erfrischender,
naturumgebener und menschlicher empfunden.
Weitere statistische Signifikanzen in diesem Punkt waren nicht eindeutig
im Sinne der Versuchsfrage-stellung interpretierbar. Allerdings war im
Vorher-Nachher-Vergleich der beiden habituellen Befragungen (keine Berücksichtigung
des Begrünungszeitpunktes als Faktor) abzulesen, dass sich signifikante
bis hoch signifikante Unterschiede z.B. in den Aspekten Desaktiviertheit,
Müdigkeit, Erregung, Ärgerlichkeit, Ängstlichkeit, Deprimiertheit
und Verträumtheit ergeben haben: Sie haben sich zum Positiven hin
deutlich verbessert. Die Berücksichtigung des Geschlechts als Faktor
ergab keine gesonderten Ergebnisse, es wurden im Wesentlichen die Auswertungsergebnisse
bestätigt. Die Berücksichtigung der persönlichen Einstellung
der Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer zur Pflanze zeigte allerdings,
dass die Deprimiertheit der Pflanzenfreunde im Versuch deutlich hinter
der Niedergeschlagenheit von Nicht-Pflanzenfreunden zurückblieb.
2. Die Lichtmessungen ergaben, dass die Büroräume durchweg
eher als dunkel zu bezeichnen sind. Prozentual erreichen die am Arbeitsplatz
gemessenen Werte nur etwa 5% der aussen vor dem Fenster gefundenen Helligkeit.
Die Helligkeitswerte pendeln weitestgehend um ca. 400 Lux.
3. Die Messungen der relativen Luftfeuchte waren überlagert von
den Aussenklimadaten Würzburgs bzw. Münchens. In den stärker
begrünten Räumen fanden sich, verglichen mit den weniger stark
begrünten Räumen, erhöhte Feuchtigkeitswerte im Bereich
von
2 - 5%.
Fazit und Empfehlung
Zieht man externe Studien zur Beurteilung in das Gesamtbild mit ein, so
muss der Schadstoffabbau von Pflanzen in Räumen als unbedeutend gelten.
Allerdings ist durch gezielte Nutzung eine Lärmminderung durch Pflanzen
möglich. Die Erhöhung keimfreier Luft-feuchtigkeit ist mittlerweile
garantierbar, auch im höheren als in der Studie gefundenen Effizienzbereich.
Aus psychologischer Sicht ergab sich die Pflanze als unverkennbarer und
unverzichtbarer Wohlfühlfaktor. Somit kann Pflanzen in Räumen
insgesamt eine stützende gesundheitliche Bedeutung zugesprochen werden.
Zur Einordnung der Pflanzen in eine Kategorisierung nach Wertigkeit ist
die Leistungs-steigerung und damit die wirtschaftlich relevante Produktivitätsverbesserung
durch Raumbegrünung derzeit noch schwer zu beantworten. Sie ist den
Ergebnissen zufolge tendenziell gegeben, aber so multifaktoriell beeinflusst,
dass weitere Unter-suchungen dieser Fragestellung nachgehen müssen.
Im Sinne einer Gesamtbeurteilung ist allerdings schon jetzt festzuhalten:
Die Begrünung von Büros muss als unverzichtbarer Teil in der
Kette moderner Leistungsförderung betrachtet werden.
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