Ein Problem ohne Grenzen – Stress am Arbeitsplatz:
Phänomen Phytophilie oder Grün kommt gut

Die Unternehmenswelt ist enormen Veränderungen unterworfen, denn sowohl innerhalb des europäischen Marktes als auch darüber hinaus hat sich der Wettbewerb verschärft. Rund um den Globus stehen Arbeitnehmer unter Stress, der täglich größer wird. Etwa 53 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer sagen, dass sie völlig übermüdet, erschöpft und überlastet von der Arbeit nach Hause kommen. Das sieht in Europa nicht anders aus: Die von der Europäischen Kommission im Leitfaden zum Stress am Arbeitsplatz (1999) veröffentlichten Daten zeigen, dass über die Hälfte der 147 Millionen europäischen Arbeitnehmer bei der Arbeit unter erheblichem Druck stehen. Auch zu Hause fühlen sich viele Arbeitnehmer nicht frei. Sie können nicht abschalten, denn Handys, Laptops und Computer verbinden sie auch in der so genannten „Freizeit“ mit der Arbeitswelt.

Stress kommt teuer

Gefährdete Arbeitsplätze, steigende Gesundheitskosten, unsichere Rentenansprüche und die Arbeitsbelastung im Büro sind ein Schreckgespenst. In den USA hat man errechnet, dass gestresste Arbeitnehmer rund 600 Dollar mehr Kosten pro Person verursachen als diejenigen, die entspannter sind. Das bedeutet nicht nur eine ungeheure finanzielle Anstrengung für das Gesundheitssystem, sondern auch eine Last für die Individuen und die Gesellschaft. Die Stressspirale, in der die Arbeitnehmer leben, kennt keine Grenzen. Stressbedingte Krankheiten kosten die Briten rund 13 Millionen Werktage im Jahr. Stress am Arbeitsplatz durch Krankheiten und Fehlzeiten verursacht in der EU jährlich Kosten von ca. 20 Mrd. Euro.

Viele stressbedingte Krankheiten sind ein Vorbote für das, was in Japan „karoshi“ (Tod durch Überarbeitung) heißt. Ein Phänomen, das erstmals 1987 bemerkt wurde und mittlerweile auch juristisch als haftungspflichtige Todesart anerkannt wird.

Die Tage, als ein Arbeitnehmer davon ausgehen konnte: ´Wenn ich korrekt arbeite, behalte ich meinen Job´, sind lange vorbei. Die traditionellen Karrieren, die Schritt für Schritt mit ein oder zwei Arbeitsplatzwechseln nach oben führten, gehören der Vergangenheit an. Dr. Richard Sennett, Soziologe der New York University, kalkuliert, dass ein junger Amerikaner heutzutage seinen Job bis zur Pensionierung etwa 11 Mal wechseln wird.

Was tun?

Fakt ist: Stress hat negative Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden sowie auf organisatorische Unternehmensabläufe. Um so erstaunlicher, dass dieser Tatsache im Wirtschaftleben, das von Produktivität, Kosten-/Leistungsrechnungen und Erträgen bestimmt wird, nicht hinlänglich Beachtung geschenkt wird. „Wir können die Veränderungen der Arbeitswelt nicht aufhalten“, konstatiert Dr. Westerlund, Forscher am Institut für Psychosoziale Medizin in Stockholm, „wir können den Menschen nur helfen, sich in ihrer Umgebung wohlzufühlen.“ Es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht direkt messbare Faktoren wie Arbeitsumfeld und Arbeitszufriedenheit einen wesentlichen Einfluss auf die Produktivität und Rentabilität eines Unternehmens ausüben.

Grün kommt gut

Zahlreiche Untersuchungen und Studien belegen schon seit Jahrzehnten, dass Pflanzen am Arbeitsplatz sich positiv auf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer auswirken. Grün wirkt nicht nur in physiologischer Hinsicht gut und vermindert Gesundheitsbeschwerden wie Kopfschmerzen, Schnupfen, Hautreizungen und Stress, sondern Phytophilie – die Liebe zum Grün – fördert auch die Kreativität, das Konzentrationsvermögen und verbessert das Betriebsklima.

Arbeitnehmer fühlen sich in einem grünen Arbeitsumfeld nicht nur wohler, sie bleiben auch gesünder. Ein Unternehmen, das in Innenraumbegrünung investiert, vermindert nicht nur den Krankenstand und steigert somit die Produktivität, es betreibt auch einen sichtbaren Teil Unternehmenskultur und dokumentiert so seine gesellschaftliche Verantwortung.

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