Fördern Pflanzen im Büro die Gesundheit ?

Pflanzen im Büro sind für den Menschen nützlich. Sie schaffen eine individuelle Arbeitsumgebung und bringen Farbe in den Raum. Dabei sorgen sie für Wohlgefühl und eine lebendige Atmosphäre. Sie fördern eine positive Stimmung und helfen bei der Stressbewältigung. So tragen Ficus, Banane und Co. auch zur Verbesserung des Raumklimas bei. Tatsache: In begrünten Büros wird seltener über Kopfschmerzen, Nervosität, Herz-Kreislauf-Symptome sowie Erkäl-tungen geklagt. Warum das so ist und wie Sie die Vorteile eines begrünten Büros nutzen können, möchten wir Ihnen nachfolgend vorstellen.

Pflanzen regulieren das Klima. Sie beeinflussen die Luftfeuchtigkeit und verbessern die Luftqualität, indem sie Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff abgeben sowie Staub und Schadstoffe binden.
Die Temperatur der Luft soll eher etwas niedrig als zu hoch sein und in Kopf- und Fußebene möglichst den gleichen Wert haben: Im Normalfall 21° bis 22°, bei hohen Außentemperaturen maximal 26°. Die relative Luftfeuchte soll nicht unter 30% absinken. In den Wintermonaten ist es aber oft unvermeidlich, da die Luftfeuchtigkeit ohne zusätzliche Befeuchtung absinkt. Diese geringere Luftfeuchtigkeit macht sich in einer Austrocknung der Schleimhäute der oberen Luftwege bemerkbar und kann langfristig zu chronischen entzündlichen Veränderungen der Schleimhäute führen. Die Folgen sind Austrocknung der Haut und Augenbrennen. Ein trockener Nasen-Rachen-Raum stört nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sondern ist außerdem ein schlechter Abwehrschild gegenüber Bakterien und Viren. Die Folge: Erreger von Erkältungskrankheiten können sich leicht einnisten.

Mit Grünpflanzen, die einen hohen Wasserbedarf haben, z.B. Nest-Farn, Banane, Zimmerlinde und auch Zypergras, lässt sich die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Art erhöhen. Die Feuchtigkeit der Luft soll auch nicht über 60% bis 65% ansteigen, da sie die Schimmel-bildung unter bestimmten Bedingungen fördern kann.
Wichtig: Die Raumluft muss frei von allen aufdringlichen Riech-, Duft- und Giftstoffen sein. Denn parallel mit den unappetitlich empfundenen Riechstoffen steigt in der Regel auch der Kohlendioxid-Gehalt an. Mit 0,1 Volumen-Prozent wird die Grenze der tolerierbaren Geruchskonzentration überschritten. Je mehr Kohlen-dioxid in der Luft ist, desto schlapper und müder fühlen wir uns. Je mehr Blattoberfläche eine Pflanze hat, desto effektiver kann sie Kohlendioxid entsorgen. Dabei kommt es nicht auf die Größe des einzelnen Blattes an, sondern auf die Blattfläche, die alle Blätter zusammen ergeben. Eine große Blattoberfläche haben z.B. die Banane, Ficusarten und grünblättriger Wein.
Trockene Luft ist immer sehr viel staubhaltiger als feuchte. Die Staubpartikel sind leichter, wenn sie wenig Feuchtigkeit enthalten. Durch elektrostatische Aufladung werden die Staubpartikel zusätzlich in der Schwebe gehalten.


Pflanzen allein als biologisches Luftreinigungssystem sind nicht zur Minderung von Schadstoffen in Innen-räumen geeignet. Bei geminderter Luftqualität durch Schadstoffe im Büro, z.B. durch Rauchen, Lösungs-mittel, Holzschutzmittel, ist die Erkennung und Besei-tigung der Emissionsquellen prinzipiell vorrangig. Zusätzlich ist Lüften in regelmäßigen Abständen besonders wichtig.

Eine zusätzliche biologische Luftreinigung durch Pflanzen wurde experimentell auf zwei Wegen nachgewiesen:

a) Die Pflanzen nehmen bestimmte Schadstoffe durch die Spaltöffnungen ihrer Blätter auf und sammeln, verstoffwechseln und veratmen sie. Dies wurde, z.B. für Formaldehyd, wissenschaftlich nachgewiesen.

b) Die Luftschadstoffe gelangen in den Boden, konkret in ein Hydrokultursubstrat mit hohem Aktivkohleanteil. Danach erfolgt entweder eine direkte Aufnahme der Luftschadstoffe in die Wurzel mit nachfolgendem Transport und Abbau bzw. Deposition in der Pflanze oder die Verstoffwechselung durch Bodenbakterien, denen die ausgefilterten Schadstoffe als Nahrungs-grundlage dienen. Wegen der normalerweise geringen Schadstoffmengen in den Innenräumen ist eine Zusatzernährung der schadstoffabbauenden Bakterien notwendig. Langzeitversuche haben ergeben, dass angeimpfte Bakterien auch ohne kontinuierliche Formaldehyd- oder Nikotinzufuhr monatelang überleben und bei Schadstoffzugabe sofort "anspringen". Die pflanzlichen Abbauraten betragen allerdings durchweg nur etwa 1% der bakteriellen Abbauraten. Das Entgiftungspotential der Pflanzen ist eher bescheiden, so dass die Räume sehr üppig mit Pflanzen ausgestattet sein müssen, um den Effekt zu nutzen. In der Regel stellt eine Schadstoffkonzentration in den Büros aber keine gesundheitliche Gefährdung dar.

Damit die Innenraumbegrünung ihre wichtige Funktion als wesentliches Wohlfühlelement erfüllen kann, bedarf es nicht nur der richtigen Pflanzenwahl und -gestaltung, sondern selbstverständlich auch der richtigen Pflege. Die praktische Durchführung (gute Lichtverhältnisse, Düngung der Pflanzen ohne Schädlingsbefall, keine überfluteten Wurzeln in Hydrokulturgefäßen, die zu Fäulnis führen) ist nicht immer problemlos.

Zusammenfassend: Für das allgemeine Wohlbefinden des Menschen ist der Einfluss der Pflanzen auf die Luftqualität nachweisbar. Im Vordergrund steht aber ihre günstige psychologische Wirkung auf unsere Wahrnehmung und unser Denken.

Verfasst von: Dr. Leona Rogler
für: ‚Die grosse Büroserie' der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft


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