| Besser mit Konzept: Grüne Büros in grünen Städten
Die Initiative „Die grüne Stadt“ versteht sich als interdisziplinärer Diskurs - als Drehscheibe für Informationen, Kontakte, Fragen und Antworten für die Öffentlichkeit wie für Entscheidungsträger. Entsprechend vielseitig und weitreichend waren die in Rostock ergründeten Aspekte zum Grün in der Stadt: ökonomische Sicht, Recht auf Natur, Grün in der Arbeitswelt, Stadtklimatologie, Lebensqualität, Fallbeispiele und Erfahrungen aus der Praxis. Ein Referat befasste sich mit einer Studie des Automobilherstellers BMW AG (München), bei der es um das begrünte Büro „als präventiven Gesundheitsschutz“ ging. Bei BMW war im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Monitorings von Bildschirmarbeitsplätzen aufgefallen, dass sich Mitarbeiter über gesundheitliche Beschwerden am Arbeitsplatz wie Erkrankungen der Atemwege, trockene Augen, trockene Haut und andere Symptome beklagten. Komisch war, dass die Symptome verschwanden, sobald die Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlassen hatten. Die Abteilung Arbeitssicherheit beschloss, den Erfahrungen internationaler wissenschaftlicher Untersuchungen zu folgen und den Beschwerden mit Hilfe gezielter Bürobegrünungen zu Leibe zu rücken. Bei BMW stieß das Vorhaben intern zunächst auf Skepsis und wurde, um empirische Belegdaten zu gewinnen, akribisch untersucht. So wurden anhand von umfangreichen Messdaten nicht begrünte mit begrünten Büros verglichen. Die Ergebnisse ließen die mit einbezogene Berufsgenossenschaft ebenso wie die BMW-eigenen Ingenieure und Betriebswirtschaftler aufhorchen. Die Skepsis wich, denn das persönliche Wohlbefinden der Mitarbeiter hat sich nach der Begrünung deutlich verbessert. Und: Der individuelle Eindruck wurde durch Messdaten hieb und stichfest nachweisbar. Beate Klug, Sicherheitsingenieurin bei der BMW AG: „Zunächst 93 Prozent, inzwischen 100 Prozent der Mitarbeiter, fühlten sich nach der Bepflanzung der Räume wohler und motivierter, lobten den gesunkenen Lärmpegel und favorisierten die Arbeit im begrünten Büro. Statistiken zu den Gründen von Arbeitsunfähigkeit zeigen, dass mit über 30 Prozent Atemwegserkrankungen bei Arbeitnehmern an erster Stelle stehen. Pflanzen am Arbeitsplatz beugen Krankheiten vor; dies hat die Studie der bayerischen Autobauer eindeutig gezeigt. Vor allem bei den Aspekten Luftfeuchtigkeit, Schadstoffabbau, Rückgang der Keimbelastung und Schallfilterung schnitt das bepflanzte Büro im Vergleich zu den anderen Referenzbüros sehr gut ab. Derzeit zweifelt man bei der BMW AG nicht mehr, wenn es um den Effekt der Innenraumbegrünung geht. In weiteren Versuchen und Datenerhebungen arbeitet man daran, durch den Einsatz so genannter „Prima-Klima-Pflanzen“ (www.Prima-Klima-Pflanzen.de) die Wirkung von Bepflanzungen weiter zu verbessern und noch wirtschaftlicher zu gestalten. Das Beispiel bei BMW macht deutlich, dass Grün nicht nur ein Kostenfaktor ist, sondern geradezu eine clevere Investition in die Kostenreduzierung. Petra Roth dazu: „Leberecht Migge veröffentlichte bereits 1918 das 'Grüne Manifest’, das wesentliche Forderungen an eine moderne Stadtplanung stellt. Weiterhin ist seit langem bekannt, dass Grün sparen hilft. (Es) ... wird klar, wo überall mit Hilfe der positiven Wirkung von Grün gespart werden kann.“ So wie das passende Grünkonzept den Menschen in Büros gut tut, so wertet es in vielerlei Hinsicht auch richtig begrünte, urbane Lebensräume auf. Begrünung mit Konzept rechnet sich. Vor allem aber: Die Pflanzen gestalten moderne LebensRäume menschlicher. Oder um es mit den Worten Petra Roths zu sagen: „Es gilt kreativ zu werden, neue Möglichkeiten auszuloten und einen langen Atem zu haben. So unterschreibe ich Migges Aufruf: 'Man pflanze‘!“ Seite drucken Fenster schliessen |