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Pflanzen gegen Stress und für die Gesundheit Der amerikanische Wissenschaftler Roger S. Ulrich beschäftigt sich in seinen Forschungsarbeiten und Projekten mit den Einflüssen, die der visuelle Kontakt von Pflanzen auf Stress und Gesundheit des Menschen hat. Verstärkt untersucht wurden gerade in den letzten Jahren die physiologischen Reaktionen, um so einen tieferen Einblick in den Stressabbau zu erhalten. Obwohl es keine allgemeingültige Definition des Begriffs Stress gibt, sehen die meisten Wissenschaftler darin eine Reaktion auf oder eine Anpassung an eine anstrengende und fordernde Situation, die das Wohl-befinden beeinträchtigen oder bedrohen kann. Abhängig von Intensität und Dauer der Stressreaktion kann es zu Symptomen unterschiedlicher Ausprägung kommen wie Angst oder Wut (psychische Symptome), Schlaflosigkeit, Aggressivität, Alkohol- oder Drogen-missbrauch (Symptome im Verhalten), erhöhter Blutdruck, Muskelverspannung, Bildung von Stress-hormonen (physiologische Symptome). Häufig führt Stress zu deutlichen Schädigungen des psychischen Wohlbefindens, der Leistungsfähigkeit und der Gesundheit. Ergebnisse über stressreduzierende Auswirkungen von Pflanzen Eine Anzahl von Untersuchungen haben die Auswirkung analysiert, die der Anblick verschiedener natürlicher Umgebungen, z.B. grüner Vegetation wie Bäume, Sträucher, Gras, auf Individuen unter Stresseinfluss hat. Diese Studien liefern insgesamt überzeugendes Material für die Hypothese, dass der bloße Anblick üppiger Vegetation in vielen Fällen zu Stressabbau und Regeneration führen kann. In letzter Zeit wurden vor allem die physiologischen Reaktionen aufgezeichnet: In einem Laborexperiment konfrontierte Roger S. Ulrich 120 Versuchspersonen mit einem stresserzeugenden Film. Anschließend wurden die Testpersonen willkürlich für eine "Regenerationszeit" eingeteilt, während der sie Videobänder mit entweder städtischer Umgebung ohne Natur oder natürlicher Umgebung sahen. Die Daten erhob man zum einen über Fragebögen, die darauf zielten, die eigenen Gefühle einzuschätzen. Zum anderen wurden vier physiologische Messungen durchgeführt: Messungen der Leitfähigkeit der Haut, der Muskelspannung, der Pulskurve und der Herzfrequenz. Alle Befunde deuteten darauf hin, dass die Versuchspersonen Spannungen schneller und vollständiger abbauten, wenn sie sich mit Darstellungen natürlicher Umgebungen konfrontiert sahen, darunter auch eine parkartige Umgebung mit üppiger Vegetation. Der höhere Regenerationsgrad ließ sich z.B. an der schnelleren und stärkeren Blutdrucksenkung, der Senkung der Muskelspannung und der Leitfähigkeit der Haut ablesen. Ein weiterer interessanter Befund war die Schnelligkeit, mit der die Regeneration während der Konfrontation mit den Darstellungen natürlicher Umgebungen erfolgte. Nach weniger als fünf Minuten visuellen Kontakts mit Bildern üppiger Vegetation zeigte sich anhand der Messwerte ein deutlicher Spannungsabbau.
Die Erkenntnis, dass schon eine kurze Konfrontation mit Pflanzen sich positiv auf den Stressabbau auswirkt, führt zu der Annahme, dass Langzeit-Kontakte dauerhaften positiven Einfluss auf psychologische und physiologische Spannungskomponenten oder sogar auf das Verhalten haben. Dies könnte sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken. Die Hypothese stützte Roger S. Ulrich mit einer Untersuchung, die sich mit der Frage befasste, ob Aussichten auf Pflanzen-wuchs und andere natürliche Elemente einen gesund-heitlichen Nutzen für Krankenhauspatienten haben können. Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen hatten, wurden auf der Basis von Faktoren, die sich auf die Genesung auswirken, wie Alter, Gewicht, Nikotinkonsum und bisheriger Gesund-heitszustand, zu Paaren zusammengestellt. Anschließend wurden diese Patienten willkürlich auf Räume verteilt, die bis auf die Aussicht völlig identisch waren: ein Mitglied eines jeden Paares sah von seinem Fenster aus Bäume, das andere hatte die Aussicht auf eine Ziegelmauer. Die Patienten mit der "natürlichen" Aussicht konnten das Krankenhaus schneller verlassen, hatten weitaus seltener negative Bewertungen in ihrem Krankenbericht und weniger postoperative Komplikationen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit. Außerdem benötigten die Patienten mit der Aussicht auf die Ziegelmauer mehr Injektionen mit starken Schmerzmitteln, während die Patienten mit der natürlichen Aussicht häufiger schwächere Schmerzmittel erhielten. Diese Studie rechtfertigt die Annahme, dass visuelle Kontakte mit Pflanzen zu Einsparungen im Gesund-heitswesen führen können. Die Patienten mit Ausblick auf die Natur benötigten weniger Injektionen und konnten schneller entlassen werden. Fazit Die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse lassen die Schlussfolgerung
zu, dass der Anblick von Vegetation zur Stressreduzierung beitragen und
in bestimmten Situationen die Gesundheit positiv beeinflussen kann. Neben
Roger S. Ulrich konnten auch andere Wissenschaftler eindeutig nachweisen,
dass visuelle Konfrontationen mit Pflanzen einen deutlichen Spannungsabbau
innerhalb von fünf Minuten oder weniger hervorrufen. Die rasante
Geschwindigkeit, mit der sich diese Regeneration vollzieht, unterstützt
die Annahme, dass schon relativ kurze visuelle Kontakte mit Pflanzen am
Arbeitsplatz, im häuslichen Umfeld und anderen Gebäuden aus-reichen,
um zu einer Regeneration der Kräfte beizu-tragen: Eine bahnbrechende
Erkenntnis, wenn man bedenkt, welchen Stressfaktoren sich die meisten
Menschen täglich aussetzen müssen. |