Pflanzen am Arbeitsplatz:
Bericht über eine Pilotstudie

Das Niederländische Institut für Arbeitsschutz hat eine Pilotstudie in Auftrag gegeben, die sich zum Ziel setzt, eine Übersicht über den Einfluss, den Pflanzen am Arbeitsplatz auf die subjektive Wahrnehmung und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer ausüben, zu erstellen. Der Nachdruck auf den Faktoren "subjektive Wahrnehmung" und "Wohlbefinden" unterscheidet diese von John Klein Hesselink und Liliane Hostaken durchgeführte Studie von Untersuchungen über andere Auswirkungen von Pflanzen auf Arbeitnehmer, wie beispielsweise die Verbesserung des Innenraumklimas, des Sauerstoffgehalts, der Luftfeuchtigkeit und des Schadstoffgehalts der Luft. Derartige Untersuchungen wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach durchgeführt und die positiven Ergebnisse sind bekannt.

Das 1995 gestartete Pilotprojekt setzt sich aus den folgenden Untersuchungsphasen, die hier nur angerissen werden können, zusammen: (1) Literaturuntersuchung, (2) sondierende Gruppeninterviews mit Arbeitnehmern von fünf Unternehmen und (3) Erstellung eines Fragebogens, mit dessen Hilfe die Auswirkungen von Pflanzen auf Arbeitnehmer effizient ermittelt werden können.

Literaturuntersuchung

Die Literaturuntersuchung ergab, dass erst in jüngster Zeit ein zunehmendes Forschungsinteresse über den Einfluss von Pflanzen am Arbeitsplatz zu verzeichnen ist. Eine Studie von Fjeld (1995) besagt, dass Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz mit Pflanzen ausgestattet wurde, weniger klimabedingte Gesundheitsbeschwerden wie Kopfschmerzen und Hautreizungen aufweisen. Die Literaturuntersuchung verlagerte sich auf Studien über den Einfluss der Natur auf den Menschen. In vier Bereichen konnten positive Auswirkungen auf den Menschen festgestellt werden: (1) Überleben und Verweilen in der Natur, (2) Stadtplanung und Raumordnung, (3) die Folgen des Umgangs mit Pflanzen und (4) die Aussicht aus dem Fenster. Vor allem der heilsame Einfluss der Natur auf den Menschen ist augenfällig. Menschen erholen sich von Stress und Hektik, indem sie sich in die Natur begeben oder Pflanzen versorgen. Überdies zeigte sich, dass Menschen natürliche Umgebungen bevorzugen und dass eine "natürliche" Aussicht aus dem Fenster sich positiv auswirkt. Dies lässt den Schluss zu, dass deutliche Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur bestehen und dass die Natur zweifellos einen Einfluss auf den Menschen ausübt.

Gruppeninterviews

In einem zweiten Schritt der Pilotstudie führten die Forscher fünf sondierende Gruppeninterviews in fünf niederländischen Unternehmen. Pro Firma wurde eine Gruppe von durchschnittlich neun Arbeitnehmern interviewt. Die Probanden ermutigte man, frei über ihre Erfahrungen mit Pflanzen am Arbeitsplatz zu erzählen. Die in den Interviews gefallenen Äußerungen wurden kodiert und in achtzehn Kategorien eingeteilt, die hauptsächlich dazu dienten, Themen für den Fragebogen-Entwurf zu ermitteln.

Die Erstellung des Fragebogens

In einer dritten Phase der Studie wurde ein schriftlich zu beantwortender Fragebogen entwickelt, der sich mit Stellungnahmen zu Pflanzen und Blumen am Arbeitsplatz auseinandersetzt. 300 Arbeitnehmer in sechs Unternehmen erhielten den Fragebogen, 130 schickten ihn ausgefüllt zurück (Rücklaufquote von 43%). Nach Sichtung der Fragebögen ergaben sich sechs Faktoren, die die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Pflanzen am Arbeitsplatz darstellen, ein Faktor betrifft die Blumen am Arbeitsplatz. Im Folgenden werden die Hauptfaktoren verkürzt erläutert.

1. Pflanzen als Unterstützung: Dieser Faktor besagt, dass Arbeitnehmer am Arbeitsplatz mehr Selbstvertrauen erhalten, weniger gehemmt und unsicher sind und sich durch die Arbeit weniger belastet fühlen.
2. Entspannung und Leistung: Pflanzen am Arbeitsplatz haben eine beruhigende Wirkung, erhöhen die Arbeitsfreude, vermitteln Geborgenheit. Nicht alle Probanden konnten sich mit diesen Gefühlen identifizieren.
3. Ein angenehmer Arbeitsplatz: Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass Pflanzen den Arbeitsplatz angenehmer gestalten, eine bessere Lebensumgebung schaffen und für weniger Langeweile und Sterilität sorgen. Mit diesem Faktor konnten sich die meisten Menschen identifizieren und stimmten der Aussage zu.
4. Eins mit der Natur: Das grundlegende Gefühl, dass Pflanzen eine Verbundenheit mit der Natur herstellen, zeigt sich vor allem in den Aussagen, dass man mit Pflanzen die Natur in Reichweite hat, und dass man die Bedeutung einer "grünen" Arbeitsumgebung erkennt. Auch der aktive Umgang mit der Natur (der sogenannte "grüne Daumen") gehört zu diesem Faktor. Ein etwas kleinerer Teil der Probanden kann sich mit diesem Gefühl identifizieren.
5. Pflanzen versorgen: Menschen, die Pflanzen nicht versorgen wollen, schätzen dennoch ihre Präsenz und überlassen die Pflege gerne anderen. Ungefähr die Hälfte der Befragten pflegt Pflanzen gerne.
6. Kontrolle: Die Arbeitnehmer möchten die Pflanzen an ihrem Arbeitsplatz selbst aussuchen. Dabei ist auffällig, dass Pflanzen gewählt werden, bei denen sich Wachstum beobachten lässt. Die Hälfte der Probanden stimmt diesem Faktor zu.
7. Blumen am Arbeitsplatz: Einige Arbeitnehmer zeigen eine deutliche Vorliebe für Blumen am Arbeitsplatz. Blumen seien abwechslungsreicher und aussagekräftiger als Pflanzen. Nur ein kleiner Teil der Befragten stimmte dieser Aussage zu.

Die Bedeutung der Untersuchung

Hauptziel der Pilotstudie war es, Einblicke in die Rolle, die Pflanzen am Arbeitsplatz bei Arbeitnehmern spielen, zu erhalten. Anhand der Auswertungen wird deutlich, dass bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern in einer spezifischen Weise auf die verschiedenen Faktoren reagieren. Es stellte sich z.B. heraus, dass Männer etwas stärker als Frauen dazu neigen, Pflanzen am Arbeitsplatz zu versorgen. Jüngere Arbeitnehmer empfinden Pflanzen häufiger als Stütze am Arbeitsplatz als ihre älteren Kollegen. Diese hingegen sehen Pflanzen am Arbeitsplatz öfter als ein Stück Natur in Reichweite und als Mittel Kontrolle über den Arbeitsplatz auszuüben. Arbeitnehmer in Führungspositionen und Teilzeitkräfte empfinden Pflanzen am Arbeitsplatz als eine Hilfsmaßnahme ruhiger zu arbeiten und bessere Leistungen zu erbringen. Frauen schließlich zeigen eine etwas deutlichere Vorliebe für Blumen am Arbeitsplatz.

Das wichtigste Ergebnis dieser Pilotstudie ist die Bereitstellung eines Instrumentariums, mit dem die psychischen Auswirkungen und subjektiven Wahrnehmungen von Pflanzen am Arbeitsplatz auf die Arbeitnehmer schnell, effizient und detailliert untersucht werden können. Der erarbeitete Fragebogen mit insgesamt 33 Fragen ist ein wertvolles Werkzeug, die Gefühle und Ansichten der Arbeitnehmer über Pflanzen am Arbeitsplatz zu erforschen.


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