Selbstverwaltete Schule unter Palmen

Pflanzen gehören zum Konzept der Freien Waldorfschule im Kölner Vorort Chorweiler. Dies wird dem Besucher bereits klar, öffnet er die Tür zur großen Halle, der so genannten Oase. Sie bildet das Herz der Schule. Unter einem schirmartigen Glasdach, das von einem aus Holz gefertigten, stilisierten Baum getragen wird, richtet sich der Blick unmittelbar auf zahlreiche große Pflanzen, die zentral positioniert die Halle mit Leben füllen. Die Auswahl der Pflanzen, so der Geschäftsführer der Schule, Dieter Horn, war durch äußerliche Faktoren vorgegeben: Das ganze Jahr über herrschen in der "Oase" Temper-aturen um die 20° Celsius, sodass tropische Pflanzen die ideale Besetzung sind; sie kommen mit dem gleichbleibenden Klima bestens zurecht.

Ort der Erholung
Der Name Oase weckt Assoziationen an Wasser und üppige Vegetation in satten grünen Tönen. Beides ist in der "Oase" zu finden. Neben einem Wasserlauf - in ruhigen Momenten hört man das Wasser plätschern - bestimmen große Palmen, Farne und Bananenstauden das Bild. Dass bereits der Anblick von Pflanzen schon innerhalb weniger Minuten stressbedingten Spann-ungszuständen entgegenwirkt, belegen verschiedene internationale Studien. Auch dem Geschäftsführer der Freien Waldorfschule ist dieser Aspekt wichtig. Mit Pflanzen, so führt Horn aus, könne man in der Schule einen Bereich schaffen, an dem die Hektik eine weitaus geringere Rolle spielt. So ließen sich beispielsweise vor der Kulisse grüner Pflanzen viel leichter ruhige Ge-spräche mit Schülern führen, als es sonst möglich ist. Er könne jeder Schule nur empfehlen, sich eine grüne Zone einzurichten, wenn dies vom Gebäude her möglich sei: "Ich kann mir keine Schule ohne Pflanzen vorstellen, ohne sie fehlt einfach ein wichtiger Bereich", erklärt Horn.

Ort der Begegnung
Die "Oase" ist ein Kommunikationszentrum. Hier treffen sich die meisten der 465 Schüler in den Pausen oder in Freistunden, setzen sich, reden miteinander, entspannen sich und tanken Kraft für die nächsten Unterrichtsstunden. Lässt man den Blick nach oben schweifen, sieht man auf den verschiedenen Etagen zahlreiche Schüler stehen, die von hier aus den be-lebten Innenraum beobachten und zugleich das Grün der Pflanzen genießen. Auffallend ist der geringe Ge-räuschpegel in der Halle und dies, obwohl sehr viele Schüler das Angebot der "Oase" nutzen. Hier kommt das Absorptionsvermögen der Pflanzen zum Tragen. Pflanzen sehen nicht nur gut aus, reinigen, befeuchten und kühlen die Raumluft, sie sorgen auch für eine Geräuschdämpfung. Um eine gute akustische Wirkung zu erzielen, müssen die Pflanzen, wie in der so ge-nannten Oase gegeben, groß, gesund und üppig sein. Als Ergänzung zum schulischen Alltag finden in der "Oase" zudem zahlreiche Feste oder Basare statt, die den Charakter als Begegnungsstätte untermauern.

In der Freien Waldorfschule ist das Fach Gartenbau fester Bestandteil des Fächerkanons. Die Schüler arbeiten im Schulgarten, pflanzen und pflegen Ge-wächse, schneiden Gehölze oder topfen um. Einige von ihnen waren auch im Rahmen des Unterrichts an der Entstehung der "Oase" beteiligt. In der Freien Waldorfschule wird großer Wert darauf gelegt, dass die Schüler eine tiefere Beziehung zur Pflanzenwelt entwickeln können. Dies sei mit ein Grund dafür, so Horn, dass die Schüler die wertvollen Pflanzen in der "Oase" sehr pfleglich behandeln. Obwohl die Schüler in der Regel auf Pfaden zwischen den Pflanzen herum-laufen können, zertreten sie keine Pflanzen oder fügen ihnen Schaden zu. Auch finden sich keine Abfälle im Bach, die etwa achtlos weggeworfen wären. Die Schüler äußern sich begeistert über die grüne Lunge in ihrer Schule. Sie sind stolz auf die "Oase" und ihre Schule, loben die schöne Atmosphäre und möchten keinesfalls auf sie verzichten.


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