Grüne Wohnhäuser - grüne Lebensräume
Dipl.-Ing. Siegbert Wagner, Architekt, Karlstadt
Schon im 19. Jahrhundert beherrschten Architekten in Mittel- und Nordeuropa
die Technik, in Glashäusern ganzjährig für gemäßigtes
Klima zu sorgen. Diese üppig begrünten Glashäuser bieten
Menschen eine Oase der Erholung in den tristen Wintermonaten.
Mehr denn je haben wir Menschen in unserer hoch technisierten Welt den
Wunsch, im Einklang mit der Natur zu leben. Deshalb liegt transparente
Bauweise im Trend. Ihr Vorteil ist neben der Möglichkeit zu üppiger
Innenraumbegrünung der höhere Lichteinfall und die Sonnenwärme,
die zu solaren Energie-gewinnen führt. Wichtige Voraussetzung für
eine funktionsfähige Innenraumbegrünung ist ein hoher Verglasungsanteil
der Gebäudeaußenflächen. Allerdings sind Glasdächer
und -fassaden trotz technischen Fortschrittes und Serienanfertigung immer
noch deutlich teurer als herkömmliche Dach- oder Wandkonstruktionen.
Bei großen Glasflächen muss für Verschattung gesorgt werden.
Eine Verglasung von mehr als 35 Prozent der Außenfläche wäre
bei einem Wohnhaus nicht sinnvoll, denn es müssen genügend Bereiche
bleiben, in denen Möbel gestellt werden können und die Bewohner
vor neugierigen Blicken geschützt sind.
Schallschutztechnisch sind die großen Glasflächen eine Schwachstelle
im Vergleich zur restlichen konventionell gebauten Gebäudehülle.
Allerdings lassen sich zu-sätzliche Schalldämmmaßnahmen
einrichten. Da Pflanzen für ihr Gedeihen neben Licht und Luft auch
Wasser benötigen, muss sofort beim Bau ein sicheres und effektives
automatisches Wasserversorgungssy-stem mit eingeplant werden. Boden- und
Wandbelege sollten möglichst pflegeleicht sein, weil der Umge-bungsbereich
durch Pflanzen oftmals verschmutzt wird.
All dies schlägt bei den Baukosten gehörig zu Buche und sollte
schon am Anfang der Planungen berück-sichtigt werden.
Zur Gestaltung eines grünen Lebensumfeldes gibt es verschiedene Möglichkeiten:
* Wintergärten, die auf maximal 12 Grad beheizt werden und somit
gemäß der Wärmeschutzverordnung als unbeheizt gelten.
* Wintergärten mit niedrigen Innentemperaturen (maximal 19 Grad).
Da ein solcher Raum als beheizter Wohnraum gilt, ist er mit entsprechendem
Wärme-schutz für Sommer und Winter auszustatten.
* Vollbeheizte Wintergärten, die als vollwertige Wohnräume angesehen
werden können.
Für den Bau von Wintergärten oder Glashäusern gibt es verschiedene
Konstruktionsmöglichkeiten. Es existieren Tragsysteme aus Holz, aus
Holz/Metall, Kunststoffprofile mit Metallkern sowie sehr wetter-beständige
Leichtmetall- und Stahlkonstruktionen.
Bei Glashäusern werden üblicherweise Mehrscheiben-Isoliergläser
verwendet, die eine erhöhte Wärme-dämmung haben. Maßgeblich
sind zum einen der K-Wert (der Aussagen über die Qualität der
Wärme-dämmung des Glases macht) und der G-Wert, der den gesamten
Energiedurchgang durch dieses Glas angibt.
Bei intensiver Innenraumbegrünung muss eine aus-reichende Lichttransmission
gewährleistet sein. Deshalb sind die sogenannten Sonnenschutzgläser
nicht geeignet. Bei Überkopfverglasung sollte die raumseitige Scheibe
aus Verbundglas bestehen, um die Verletzungsgefahr bei Glasbruch zu verringern.
Für außenliegende Scheiben sollte aus Sicherheitsgründen
Einscheiben-Sicherheitsglas benutzt werden, um beispielsweise Schutz vor
Hagel zu bieten.
In Glashäusern mit intensiver Begrünung kommt es durch Bewässerung
und Verdunstung der Pflanzen zu hoher Feuchtigkeitsentwicklung. Das führt
ohne Gegenmaßnahmen zu extremen Klimaveränderungen in der Gebäudehülle.
Deshalb muss besonderes Augenmerk auf Feuchtigkeitsschutz und Beheizung
gelegt werden. In einem Gebäude mit einem relativ hohen Anteil von
Glasflächen ist eine mittlere relative Luftfeuchtigkeit von etwa
50 Prozent und eine Raumtemperatur von etwa 20 Grad Celsius anzu-streben.
Komfortabel wegen der wechselnden Sonneneinstrahlung ist eine automatische
Steuerung der Lüftung, Verschattung und Beheizung des Glashauses.
Besonders sinnvoll ist eine Kombination von Fußbodenheizung mit
Konvektorenheizung oder in Verbindung mit der Wohnraumlüftung.
Auch Energieeinsatz und Wärmedämmung spielen beim Glashaus eine
wichtige Rolle. Entscheidend für die Menge der Heizenergie, die dem
Glashaus zugeführt werden muss, ist die Wärmedämmung der
Gebäudehülle.
Einer der wichtigsten Faktoren beim Glashaus ist die funktionierende Be-
und Entlüftung. Um ein ange-nehmes Raumklima für die Bewohner
zu schaffen, muss die überschüssige erwärmte Luft abgeführt
werden. Bei außen angebrachtem Sonnenschutz ist eine permanente
Grundlüftung zur Regulierung des Klimas im Innenraum in der Regel
ausreichend. Wenn sich die Verschattung im Inneren des Glashauses befindet,
muss auch der Bereich zwischen Glasfläche und Verschattungsanlage
belüftet werden. Sonst könnte ein Hitzestau entstehen, der zu
Bauschäden führt.
Für ein Glashaus ist eine mechanische Lüftung die sinnvollste
Variante, denn damit kann relativ rasch und einfach auf veränderte
Witterungsverhältnisse reagiert werden. Die Luftwechselrate in einem
Glashaus sollte pro Stunde das drei- bis fünffache des Raumvolumens
betragen. Der vorgesehene Luftwechsel ist jedoch immer abhängig von
den aktuellen Temperatur- bzw. Witterungsbedingungen. Die Leistung der
Lüftungs-geräte sollte deshalb stufenlos über Innenraum-thermostate
regelbar sein. Ein Nachteil der mecha-nischen Lüftungsanlage ist
jedoch die Geräusch-entwicklung durch die eingesetzten Geräte.
Deswegen müssen bei der Gebäudeplanung bauliche Vorkehrun-gen
zum Schallschutz getroffen werden.
Im Glashaus kommt es wegen der ungünstigen Wärmedämmeigenschaften
des Glases bei niedrigen Außentemperaturen zu höheren Energieverlusten
als bei einem normalen Wohnhaus. Deshalb sollten die bei Sonneneinstrahlung
erzielbaren Gewinne soweit wie möglich genutzt werden, um diese Verluste
zu kom-pensieren. Das geschieht mittels einer Wärmerück-gewinnungsanlage,
die auf Sommer- und Winter-betrieb ausgelegt sein sollte.
Ohne ausreichenden Sonnenschutz ist unabhängig von der Lüftung
im Glashaus kein angenehmes Wohnumfeld herzustellen. Auch die vorhandenen
Pflanzen müssen in Extremfällen vor zu starker Sonneneinstrahlung
geschützt werden.
Verschattungsanlagen dienen nicht nur als Schutz vor starker Innenraumaufheizung,
sondern auch als Blendschutz für die Bewohner. Außen an der
Fassade angebrachte Verschattungsanlagen bieten den höchsten Schutz
gegen Sonneneinstrahlung und Innenraumaufheizung. Dies ist darauf zurückzuführen,
dass die auftretende Sonneneinstrahlung bereits vor dem Glas abgefangen
wird und sich somit nicht in Wärmeenergie umwandeln kann. Am sinnvollsten
ist der Einsatz von sogenannten Raffstores aus Leicht-metalllamellen.
Am weitesten verbreitet sind Markisen, allerdings sind sie extrem windanfällig
und ver-schmutzen schnell.
Als Sonnenschutz im Glashaus selbst können Rollos, Jalousien, Vertikaljalousien
oder auch Stoffbahnen benutzt werden. Allerdings ist ihr Wirkungsgrad
um ein Vielfaches schlechter als ein Sonnenschutz von außen. Empfehlenswert
ist deshalb eine Kombination von außen- und innenliegendem Sonnenschutz,
der elektrisch angetrieben wird.
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