Die richtige Pflanze am richtigen Ort
Dipl.-Ing. Maria Köchel, Flora Mediterranea, Au/Hallertau
Pflanzenwelten
Architektonische Qualität durch grüne Innenraumgestaltung
Die Gartenhöfe im Commerzbank-Hochhaus in Frankfurt, die Wintergärten
des Bundeskanzleramts in Berlin oder das Foyer der Neuen Messe Leipzig
sind nur einige bekannte Beispiele einer grünen Innenraumgestaltung.
Die neue Glasarchitektur von Bürobauten und Einkaufstempeln, die
über-dachten Innenhöfe und Passagen, schaffen Licht und Raum
für Pflanzen. Im Gegenzug werden die klimatisierten Hallen belebt
und belüftet, oft auch durch das grüne Element erst gestalterisch
komplettiert. Warum es so wichtig ist, dass Architekten die Begrünung
genauso wie alle anderen baurelevanten Aspekte so früh wie möglich
mit einem qualifizierten In-nenraumbegrünungsteam entwickeln und
welches Potential die Innen-raumbegrünung birgt, erläutert Andreas
Schröder vom interdisziplinären Planungsbüro indoorlandscaping
GmbH aus Trier.
Wenn die Architektur helle und hohe Räume zu schaffen vermag, so
sollte man die Chance nutzen, aus allen diesen Räumen wunderbare,
sinnliche Orte zu schaffen, die zum Aufenthalt einladen, so der Innenraumbegrü-nungsspezialist
Schröder. "Schön, wenn die neue Kuppelkonstruktion über
dem historischen, ehemals offenen Innenhof eine ingeniöse Meisterlei-stung
darstellt und zudem fantastisch aussieht. Noch schöner ist es aber,
wenn man dies unter der lichten Krone eines Baumes, aus einem Gefühl
der Maßstäblichkeit zwischen Mensch, Baumkrone und Kuppel heraus,
in Muße betrachten kann." Als Besucher der Neuen Messe Leipzig
stelle man sich diesen eindrucksvollen Raum ohne die Jahrzehnte alte Magnolienallee
mit ihren Ruhezonen darunter vor: ein qualitätvoller Architekturraum,
den man aber möglichst schnell durcheilen möchte. Warum sich
dort aufhal-ten? Die begrenzten Flächen unserer so klein gewordenen
Welt sind zu kostbar, um sie als nüchterne Verkehrsflächen zu
verschwenden.
Ideen durch technischen Fortschritt
Raumbegrünung wird noch immer mit einer grünen Dschungel-Hölle
gleichgesetzt, und nicht so sehr mit einem harmonischen Zusammenspiel
von Innenarchitektur und Grün. In den letzten Jahren haben neue Kon-struktionstechniken
mit feinen Querschnitten der Traggerüste und die Verwendung von Glas
neue Bedingungen für die Begrünung von Innen-räumen geschaffen.
Schließlich können Großbäume und Innenraumland-schaften
nur mit erheblicher Lichtstreuung im Inneren existieren. Die neu-en Möglichkeiten,
aber auch die speziellen Probleme der Innenraumbegrü-nung werden
jedoch von Architekten unterschätzt.
Wer einmal die Verständnisschwierigkeiten zwischen Gärtnern
und Archi-tekten erlebt und die daraus resultierenden misslungenen Ergebnisse
ge-sehen hat, dem wird schnell bewusst, dass hier offenkundig jemand fehlt,
der die simpelsten Ausführungsschritte koordiniert, so Schröder
über-zeugt.
Neue Impulse hat die Innenraumbegrünung auch durch technische Wei-terentwicklungen
erfahren. So gibt es heute neue Möglichkeiten, großflä-chige
Glasfassaden zu erstellen, Räume in großen Dimensionen mit
Über-kopfverglasungen zu überspannen, Tageslicht auch in das
Innere von Ge-bäuden umzulenken und in Problembereichen speziell
abgestimmte Pflan-zenleuchten einzusetzen, die heute sogar in ansprechendem
Design zu haben sind.
Auch der Mut und die Experimentierfreudigkeit einiger Spezialgärtnereien
schaffen ganz neue Dimensionen. Hat man vor 30 Jahren noch mehr oder weniger
die selben zehn Pflanzen eingesetzt, stehen heute ca. 250 sichere grüne
Kandidaten auf der Liste.
Fatale Fehler ohne Fachwissen
Zur Realisierung einer Raumbegrünung, die 12 bis 15 Jahre gut aussehen
und sich langfristig rechnen soll, müssen Faktoren zusammenpassen,
die vielen verschiedenen Gewerken zuzuordnen sind: Klimatechnik, Vergla-sung,
Lichtplanung, Bewässerungstechnik und Gärtnerei. Involviert
sind anfangs der Architekt und vielleicht ein Landschaftsplaner. Nur selten
werde bei der Umsetzung der Raumbegrünung beispielsweise daran ge-dacht,
einen Bewässerungstechniker einzuschalten, in der Regel müsse
der Installateur genügen. "Aber der weiß meist wenig über
die Bedienung der Steuerungseinheit oder über den korrekten Anschluss
der Entkal-kungsanlage." Ein weiteres Beispiel: Erfüllt der
Architekt die technischen Regeln für Überkopfverglasung mit
den von ihm eingesetzten, "gesand-wichten" PVB-Folien, so filtern
leider diese den für die Pflanzen lebensnot-wendigen Blauanteil im
Bereich von 300-400 nm aus dem natürlichen Ta-geslicht heraus. Ein
schneller Tod für die teuren Pflanzen. Bedenkt man diese Dinge nicht
von Anfang an, so sind die Konsequenzen teuer: Neue Kanäle und Schächte
für die Zuleitungen müssen gefräst werden, die zum Schluss
aufmontierten, unharmonischen Pflanzenleuchten stören den Ge-samteindruck
des Raumes oder die Verglasung muss eventuell ausge-tauscht werden. Und
dies sind noch lange nicht alle Fehlerquellen, weiß Schröder
zu berichten.
Eine gute Raumbegrünung könne sich nur dann etablieren, wenn
alle Fachleute - auch die Innenraumbegrüner - bereits in der ersten
Planungs-phase mit am Tisch sitzen. Diese Form von partnerschaftlicher,
fehlerver-meidender Kommunikation aller Beteiligten pflegen bereits viele
Architek-ten. Bestleistungen sind erst durch integrierte Lösungen,
durch die Ver-netzung aller Stufen des Bauprozesses möglich. Die
besten Ideen entste-hen oft, wenn die beteiligten Planer offen für
neue Aspekte sind. Auf diese Weise wurde aus einem von oben belichteten
Innenhof in Luxemburg kein Raum für ein Kunstobjekt, wie ursprünglich
angedacht, sondern ein verti-kaler Innengarten.
Keine Pflanzen zum Null-Tarif
Pflanzen benötigen Aufmerksamkeit. Das muss jedem, der mit einer
Raumbegrünung liebäugelt, klar sein. Eine Innenraumbegrünung
ist nicht billig und zieht Folgekosten nach sich! Ein Baum aus anderen
Klimazonen kann von einer schützenden Gebäudehülle umgeben
sein, doch ohne Hilfe des Gärtners kann er nicht existieren: Wassergaben,
Düngemittel, die Lichtintensität seiner Heimat und die Betreuung
bekommt er durch den Gärtner. Unterhalt und Pflege kosten langfristig.
Das Ergebnis
Stimmt die Kommunikation zwischen allen Planern und ausführenden
Be-trieben, dann stimmt auch das Ergebnis: Eine ästhetische Architektur
mit gesunden Pflanzen sorgt für ein nachhaltiges Wohlbefinden ihrer
Bewohner.
(PfP)
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